Kapitel 4 & 5 von „Liam und die Hilfe von oben“ jetzt verfügbar

Du möchtest mal wieder eine schöne und herzerwärmende Geschichte lesen, vielleicht auch mal fernab des ABDL-Genres? Dann schau dir doch mal meine neue Geschichte "Liam und die Hilfe von oben" an. Frisch upgedatet mit Kapitel 4 und 5. Viel Spaß beim Lesen!

Liam und die Hilfe von oben

Vergeben und vergessen

Entsetzt starrte ich in das Gesicht von Tom. Er hier? Aber wie konnte das sein? Er war der Cousin von Liam? Ernsthaft?
»Was machst du denn hier?«, fragte ich ihn verblüfft.
»Das Gleiche könnte ich dich fragen«, antwortete er nicht weniger irritiert.
»Ihr kennt euch?«, kam es von Liam und er schaute zögernd von einem zum anderen.
»Das kann man wohl so sagen. Ich kenne den Vogel schon seit wir ganz klein sind, doch vor zwei Monaten wollte er plötzlich nichts mehr mit mir zu tun haben. Und jetzt steht er so mir nichts, dir nichts in deinem Haus und du warnst mich nicht vor, Liam?«
Ich war genauso erschrocken darüber, Tom plötzlich Auge in Auge zu sehen, aber diese Reaktion hatte ich dann doch nicht von ihm erwartet. Ein zorniges Funkeln spiegelte sich in seinen Augen wieder. Ich spürte, wie meine Augen feucht wurden.
»Er ist also dieser ominöse Freund, den deine Mutter erwähnt hatte. Na ganz toll.«
»Ich glaube, hier gibt es Potenzial zu einer Aussprache. Warum setzt ihr euch nicht in die Küche, während ich mit Sarah schon einmal nach oben gehe?«, warf Liam ein und insgeheim war ich ihm dankbar, dass er dem Gespräch nicht beiwohnen wollte. Vielleicht hatte er auch gemerkt, wie nah mir die Konfrontation ging.
So nahm er Sarah bei der Hand und sie schlenderten die Treppe hinauf, Liam warf immer wieder ein paar Blicke auf uns zurück.  
Wir setzten uns tatsächlich in die Küche und ich nahm mir ein Glas Cola.
»Möchtest du auch was trinken?«
»Danke, ich kenne mich hier aus und kann mir selbst was nehmen«, erwiderte Tom streitsüchtig.
»Okay, sorry dass ich gefragt habe«, murmelte ich und setzte mich an den Esstisch.
Nachdem auch Tom sich etwas eingegossen hatte, ließ er sich mir gegenüber fallen.
»Na dann erzähl mal. Warum bist du mir die letzten zwei Monate so vehement aus dem Weg gegangen und hast dich mir nicht anvertraut. Ich dachte, wir wären Freunde?« Ich spürte, wie verletzt er war und blickte auf in seine traurigen Dackelaugen.
»Es lag nicht an dir. Ich war einfach am Boden zerstört. Ich hatte selbst meine Familie von mir gewiesen. Ich wollte mit meinen Gefühlen allein sein, mit meinem Kummer, dem Schmerz. Ich wollte euch da nicht hereinziehen.«
»Ist dir vielleicht auch nur einmal der Gedanke gekommen, dass ich gerne von dir hereingezogen worden wäre? Dass ich dir mit deinen Gefühlen hätte helfen können? Deiner Trauer und deiner Wut? Du hättest zu mir kommen können oder ich zu dir. Du wusstest doch, dass wir uns alles erzählten. Warum nicht in diesem Moment. Warum wolltest du so egoistisch sein und deine Gefühle für dich behalten?« Ihm traten Tränen in die Augen und er ließ ihnen freien Lauf. Ich war mir in dem Moment nicht sicher, ob es Tränen der Wut oder der Traurigkeit waren.
»Ich -«, meine Stimme versagte. Es bedeutete mir die Welt, dass Tom so dachte. Und doch weiß ich immer noch nicht, warum ich mich nicht an ihn gewendet habe. Dass ich ihm nicht von meinen Gefühlen erzählt hatte, es bei Liam aber ohne Probleme konnte. »Hör mal Tom, es tut mir so leid. Ich wusste einfach nicht, wohin mit mir. Ich wollte darüber reden, aber dann auch wieder nicht. Ich wollte mich anderen anvertrauen und dann doch lieber wieder allein sein. Ich brauchte meine Zeit, aber die hast du mir nicht gegeben.«
»Das ist unfair.« Er sprang auf und ließ dabei den Stuhl hintenüber fallen. »Ich habe dir Zeit gegeben, sehr viel Zeit. Aber selbst jetzt hattest du es nicht für nötig befunden, um mit mir zu sprechen. Zwei Monate danach. Stattdessen stellte ich fest, dass du dich offenbar recht schnell mit einem Typen von deiner neuen Schule angefreundet hattest. Du warst also bereit wieder unter Menschen zu gehen und hieltest es nicht für nötig, dich bei mir zu melden.«
»Ich hätte mich bei dir gemeldet, das schwöre ich. Aber das mit Liam ging so schnell. Ich kenne ihn doch erst seit gestern. Dich kenne ich schon mein ganzes Leben lang. Natürlich hätte ich noch ein klärendes Gespräch mit dir gesucht.«
»Na dann lass mal hören. Jetzt bin ich ja da. Leg los.«
Verständnislos schaute ich ihn durch einen schimmernden Vorhang aus Tränen an. »Wie meinst du das?«
»Jetzt kannst du es mir ja erzählen, wie du dich gefühlt hast. Was du empfunden hast. Ich möchte es verstehen. Und ich möchte für dich da sein.«
Seine Worte rührten mich und so fing ich an zu erzählen.

Dreißig Minuten später verließen wir endlich die Küche und ich wäre beinahe mit Liam zusammengestoßen.
»Ähm – äh – ich wollte nur – nur was zu trinken holen.«
»Ja sicher, gelauscht hast du, gib’s doch zu«, neckte ich ihn grinsend und kniff ihn in die Seite. Er zuckte kurz zusammen und hielt sich mit seiner rechten Hand den Nacken.
»Ja, Mist. Erwischt.«
Ach Gott, wie süß diese Geste war. Ich konnte nicht anders und ihm einen Blick der verliebten Sorte zuzuwerfen. Zum Glück bemerkte er das nicht, denn er wendete sich nun Tom zu.
»Also, alles wieder gut bei euch? Keine blauen Augen oder Schnittverletzungen? War eigentlich keine gute Idee von mir euch in die Küche zu verfrachten, schließlich liegen dort überall scharfe Messer herum.«
»Nein nein, alles beim besten. Wir haben uns ausgesprochen und nun ist wieder alles gut zwischen uns, nicht wahr Jonas?«
Ich nickte zustimmend und ging an Liam vorbei die Treppe hinauf. In seinem Zimmer angekommen, sah ich Sarah quer auf dem Bett liegen und eine Zeitschrift lesen.
»Sorry, ich hab ihm gesagt, er soll euch nicht belauschen, aber er wollte ja nicht auf mich hören«, gab sie entschuldigend von sich.
»Schon gut, er hat nichts verpasst, was ihn betreffen würde«, antwortete ich und ließ mich auf den Schreibtischstuhl nieder. Auch Tom und Liam kamen nun ins Zimmer.
»Also Jungs, was wollen wir nun Schönes machen? Ich wäre ja für „Wahrheit oder Pflicht“. Na, irgendwelche Einwände.«
Wir rollten demonstrativ mit den Augen, doch das schien Sarah nicht sonderlich zu stören und so fing sie auch gleich an.
»Liam, was wählst du? Wahrheit oder Pflicht.«
»Na gut, wenn es denn unbedingt sein muss, dann wähle ich Wahrheit«, antwortete er gespielt genervt.
»Sehr gute Wahl! Bist du derzeit verliebt?«
Ich horchte auf, schien ich doch die Antwort zu kennen.
»Ja, eigentlich schon.«
»Uhhhh, das hört sich ja geheimnisvoll an. Wie heißt er denn? Oder vielleicht doch sie?« Sie grinste schelmisch über ihren eigenen Witz.
»Nichts da, nur eine Frage. Ich bin dran. Tom! Wahrheit oder Pflicht?«
»Pflicht natürlich!« Ja, so kannte ich ihn.
»Alles klar. Sarah, das tut mir jetzt sehr leid für dich. Tom, gib Sarah einen leidenschaftlichen Kuss.« Oh man, was für ein klischeehaftes Spiel und welch klischeehafte Aufgaben. Plötzlich hatte ich ein wenig Sorge, was man mich vielleicht Fragen oder welche Aufgabe man mir eventuell stellen würde. Mein ganzer Körper spannte sich an.
Tom ging zu Sarah hinüber, beugte sich über sie und gab ihr zaghaft einen kleinen Kuss auf die Lippen. Doch schneller als Tom gucken konnte, hatte sie ihre Hände an seinen Kopf gelegt und den Kuss stürmischer erwidert.
»Was denn, ein bisschen bi schadet nie, oder?«, gab sie prustend von sich, als sie Tom aus dem Kuss entließ. Dieser war ganz verblüfft und setzte sich wieder zu meiner Linken.
»Na gut, dann bin ich jetzt wohl dran. Jonas? Wahrheit oder Pflicht?«
Ich grübelte fieberhaft nach. Wenn ich Pflicht wählen würde, käme es vielleicht zu einer ähnlichen Situation wie gerade zwischen Tom und Sarah. Und wenn es dann hieß, ich solle Liam küssen, wusste ich nicht, ob ich das machen würde. Ich hatte einfach zu viel Angst, dass es mir doch gefallen könnte. Aber was würde man mir für eine Frage stellen, wenn ich Wahrheit nehmen würde?
»Ich nehme Wahrheit.«
»Okay. Liebst du mich?« Erschrocken schaute ich in Toms Augen. Wie bitte? Hatte ich mich gerade verhört?
»Was -? Ähm, wie bitte? Ob ich – dich liebe?«
»Ja, ob du mich liebst? Ob du mich als dein Freund liebst? Ob zwischen uns wieder alles in Ordnung ist und du mich als dein bester Freund akzeptierst, wie du es so lange Jahre getan hast.«
Ach darauf zielte seine Frage ab.
»Ja – ja natürlich. Klar, ich liebe dich, Bro.« Mit einem Seitenblick auf Liam merkte ich, dass er sich köstlich über mein Herumgestammel amüsierte.
»Sarah, Wahrheit oder Pflicht?«
»Wahrheit.«
»Wen von uns dreien findest du am attraktivsten?« Ja, ich weiß. Eine sehr langweilige Frage. Aber mir ist auf die Schnelle nichts Besseres eingefallen.
»Liam. Er hat alles, was eine Frau gefallen würde. Charm, Charisma, Humor und einen unglaublich guten Body.« Sie lachte und wir stimmten darauf ein.
»Liam, Schatz. Wahrheit oder Pflicht?«
»Dieses Mal entscheide ich mich für Pflicht.«
»Hehe, wie du willst.« Etwas an ihrem hinterhältigen Lachen gefiel mir nicht.
»Gib Jonas einen leidenschaftlichen Kuss!«

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